Das gesicherte Erbe

L'Homme Schriften, Bd. 8

Margareth Lanzinger

Das gesicherte Erbe. Heirat in lokalen und familialen Kontexten, Innichen 1700–1900(L'HOMME Schriften, 8)


Böhlau Wien 2003, 377 S, EUR 39,-, ISBN 3-205-99371-3



Anhaltende Stabilität kennzeichnet die untersuchte Gesellschaft Südtirols – zumindest auf den ersten Blick. Von einem harmonischen Gleichgewicht zwischen Ressourcen, Nutzung und Verbrauch kann dabei nicht die Rede sein: Der Weg führt über eine praktizierte 'Verhinderungspolitik' – in Form von Heiratsbeschränkungen, von Restriktionen hinsichtlich des Zuzuges und eines über Jahrzehnte wirksamen faktischen 'Hausbautabus' – und wirft Fragen nach den geschlechtsspezifischen und soziokulturellen Voraussetzungen, nach Handlungsoptionen und inneren Dynamiken dieser Lebenswelt auf. Das Interesse gilt aber auch dem Selbstverständnis der lokalpolitischen Akteure und ihren Instrumentarien der Kontrolle und der Umsetzung. Das Motiv, das Überkommene, das Erbe im weitesten Sinn zu sichern, zieht sich dabei wie ein roter Faden durch die rekonstruierten lokalen und familialen Kontexte – sowohl konzeptionell als auch konkret im Alltag oder in der Erbpraxis.

Die einzelnen Kapitel behandeln das Bürgerrecht, das Ressourcenmanagement, Haus und Hof und Arrangements zwischen den Generationen und zwischen Männern und Frauen. Dabei zeigt sich, dass das Fortschreiben der ständischen Strukturen und des bestehenden Geschlechterverhältnisses durch das 19. Jahrhundert hindurch in zunehmendem Maß Erstarrungserscheinungen zur Folge hat. Dadurch werden patrilineare Muster zum Standard – gegenüber einer Flexibilität und Mobilität, die im 18. Jahrhundert zu beobachten waren. Was bleibt, ist eine ambivalente Einschätzung einer stark selbstreglementierten Gesellschaft, deren Eigen-Sinn einen hohen sozialen Preis fordert.

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Presse

"Die Autorin … versteht es auf der Grundlage umfassender Archivrecherchen ausgezeichnet, diesen 'Schlüsselmoment' [Eheschließung] zum Anhaltspunkt ihrer Studie auszugestalten. … Zweifellos kann nun Margareth Lanzingers Studie mit diesen Pionierarbeiten historisch-anthropologischer Mikrohistorie verglichen werden."Maria Heidegger, in: H-Net Reviews, July 2003 – Rezension lesen

"Das anzuzeigende Buch besticht in mehrfacher Hinsicht durch seinen Umfang und seine Komplexität. … Margareth Lanzingers Buch findet seine Stärke sicher in ihrer äußerst differenzierten Untersuchung der sozioökonomischen Dimension der Lebenswelt der Innicher Frauen und Männer. … Margareth Lanzinger hat mit ihrem Buch die Latte für weitere Mikrostudien hoch gehängt".
Claudia Töngi, in: Geschichte und Region/Storia e regione, 14, 1 (2005), 233–237

"Ohne Zweifel handelt es sich hier um eine methodisch einwandfrei operierende Studie von hohem Interesse, welche nicht zuletzt den (vermeintlichen) bevölkerungspolitischen Tiroler Sonderfall innerhalb der Habsburgermonarchie in grössere Zusammenhänge zu stellen vermag."
Carlo Moos, in: Das Historisch-Politische Buch, 3 (2006), 257f.